Where The Teds Go
THE WILDEST CATS IN TOWN 2008
von Otto Fuchs
Vom 4. - 7. Juli 2008 lud Ritchie Gee, welcher für Jahre den legendären Tennessee Rock & Roll Club in London führte, wieder zu einem
ultimativen Rock & Roll Wochenende "run by Teds for Teds, Rockers, Teddygirls, Rebels and All Wild & Crazy Rock & Roll Fans".
Das Line-Up des Weekenders liest sich wie das Who´s Who der Rockabilly und Rock & Roll Musikgeschichte. Egal ob man sich nun auf die Authentic Stars der 50er Jahre (Mac Curtis, Johnny Powers und Charlie Gracie), des Revivals (Crazy Cavan & The Rhythm Rockers, Matchbox, Flying Saucers) oder auf die Hoffnungsträger dieser Bewegung für die Zukunft beschränkt (allen voran wohl die Liverpooler Band Furious).
Es war für alle etwas dabei - lassen wir diese verrückten Tage noch einmal Revue passieren:
Wer schon am Donnerstag die Drainpipes, den Drape, die Slim Jim oder Bootlace-Tie im würdigen Rahmen tragen wollte - nun der konnte dies eben tun. In der Princes Hall, der kleineren, für manche auch der gemütlicheren Halle des Pontins Seaside Resorts in Loewestoft - gab es eine kleine Welcome Party mit dem passenden Vynil.
Freitag, 4. Juli 08
Nach einem köstlichen Full English Breakfast vom Büffet (ich mag es wirklich, habe es 2 Jahre in den 90ern in London genießen dürfen, defig und vielseitig wie auch die Londoner Szene) mit Pork Sausage, Hash Brown, Baked Beans, Grilled Mushrooms & Tomato, Toast) und Froffee Coffee ging also der Tag los. Um 11.00h öffnete dann die Bar für die Jungs & Mädls die das "Hair of The Dog" hervorgerufen durch heftiges Trinken am Vortag, an der Bar mit einem alkoholhältigen Getränk entgegennahmen. DJ Rockin´ Shades legte sich dann um 12.00h ins Zeug, dann die englische Truppe The Sundowners gegen 14.00h, den 2 Hound Dogs gegen 15.00h und Danny & The Seniors um 17.00h. Man hielt sich einigermaßen an den Zeitplan denn 18.00h gabs ja Dinner von einem wirklich üppigen, großzügigen Buffet, bei dem auch alles Mögliche für den kontinentalen Gaumen bereit stand.
Während nun in der Princes Hall ab 20.00h DJ Ol´ Dell Boy, um 21.30.pm Edwardian Al und ab 22.30 Gast DJs am Programm standen - ging es im Ballroom schon um 19.00h mit DJ Bradford Dude los. Um 20.00h gab es Authentic 50s styled Rockabilly mit dem gewichtigen Porky´s und seiner Band Hot Rockin´. Dann ein kurzes Set von DJ Cockney Rebel, ehe die Kingcats die Bühne betraten. Während im Ballroom sehr viel getanzt wurde im Sinnen von Stroll und Jive, hatten sich die Träger des Edwardian Stils kurz Teds in die Princes Hall zurückgezogen.
Nach DJ Wildcat Pete, einer wahren Legende des Auflegens, wessen Ursprünge man glaube es kaum oder erst recht Deutsch sind ging es im Ballroom weiter. Dann gab es einen ersten Höhepunkt des Weekenders - Mac Curtis war aus den USA eingeflogen worden. Ich hatte99 im Tennessee Rock & Roll Club erlebt, wie er die Menge richtig mitriss. Mit Ian Rhodes (guitar), Mark Kemlo (drums) und Martin Ford (slap bass) hatte er diesmal eine richtig coole Rockabilly Band für das authentische Backing. Doch so recht wollte der Funke nicht auf das Publikum überspringen - "Half Hearted Love" eben. Aber man soll Legenden hoch Leben lassen, solange sie noch unter uns weilen. Nach Mac Curtis gab es DJ Steve´s Stack Of Wax, und um Mitternacht betraten die "Midnite Dynamos" Matchbox in ihrer Hit-Formation die Bühne. Wir (Midnight Dynamos Rock & Roll Club Vienna) durften die Jungs dieses Jahr schon einmal nach Wien holen, was kann man sagen. Rockabilly-Stars ohne Allüren und wahre Profis. Dies gilt auch für den Eindruck den ich beim Wildest Cats in Town von ihnen gewann - neben den Hits "Rockabilly Rebel", "Midnight Dynamos", "When You Ask About Love", "Everybody Needs A Little Love" gab es auch ein Tribute von Graham Fenton an sein Idol Gene Vincent in schwarzem Leder. Genauso wie 1979 beim Caisters Rock & Roll Weekender, unsterblich gemacht durch den Musik-Streifen "Blue Suede Shoes". Die Stimmung die Matchbox im Saal hinterließ, konnte von keiner der folgenden Bands (2 Hound Dogs und Skyrockers) übertroffen werden. Wenn Ihr Gelegenheit habt Graham Fenton (vocals), Steve Bloomfield (vocals & lead guitar), Gordon Scott (vocals & rhythm guitar), Fred Poke (bass & vocals) und Jimmy Redhead (drums & vocals) live zu sehen – nicht verabsäumen.
Am Samstag gab es ebenfalls dichtes Programm, da ich am traditionellen March Of The Teds zum Tramway Pub teilnahm, konnte ich nicht alles miterleben. Erwähnt sei aber Mad Ralph´s Jumble Sale im Ballroom welcher von 9.30 bis 13.00h stattfand, die Talentshow bei welcher man sich wenn man mutig oder talentiert bzw. beides war vom Rat Pack in der Princess Hall begleiten lassen durfte. Für mich war jedenfalls der Samstag Höhepunkt als an die gut 80 Teddyboys und Teddygirls in voller „Gear“ zum Tramway Pub marschierten. Natürlich machte das einen bleibenden Eindruck auf die Landbevölkerung, besonders als wir die Straße für ein Erinnerungsfoto vor dem Tramway blockierten. Im Pub und dem anliegenden Gastgarten wurde ausgiebeig gefeiert, während DJ Tartan Ted für den nötigen Sound sorgte. British Rock & Roll aus den 50ern und frühen 60ern, und ein paar altbekannte Haudegen wie Bill Haley zum drüberstreuen. Bevor man eine seiner Decca Singles auflegte – wurde er von Tartan Ted übers Mikro sogar als „King Of Rock & Roll“ bezeichnet. Tja für manche Dinge muss man eben nach England fahren.
Um 20.00h war ich wieder zurück. Crazy Jay & The Partytimers, mit einer Power Frau (eben Crazy Jay) am Mikro heizten sie so richtig in der Princess Hall ein. Was Crazy Jay und den Partytimers optisch fehlte, wurde dann von Furious optimiert. Die drei Jungs aus Liverpool, nein, der Stadt Billy Fury´s sind wohl die Hoffnungsträger des Teddy Boy Movements.
Man muß sie einfach gesehen haben. Sie lassen sich nicht einfach in eine Schublade einordnen. Ja sie sind Teds, aber sie kopieren weder den Crazy Rhythm von Cavan, noch den British Rockabilly Sound der 50er und 60er Jahre. Sie sind wohl das was Cavan in den 70ern war, zeitgemäße Bewahrer einer langen Tradition. Checkt einfach mal ihre Website auf www.rockfurious.com oder noch besser besucht einen ihrer Gigs.
Am Samstag standen neben Furious in der kleinen Princes Hall auch Kimmy Kirkland mit Chris Casello am Programm, hat der eifrige Schreiber leider dieser Zeilen nicht gesehen. Noch Augenzeugen getroffen, im Ballroom gab es The Rhythm Aces (bekannt als The New Edwardians), The Rhythm Boys, noch einmal Chris Casello, Johnny Powers (er rockt noch immer), Crazy Cavan und das Rat Pack.
Auch Crazy Cavan & The Rhythm Rockers sind mir noch ein paar Zeilen wert.
Cavan hatte natürlich Guiness & Jack Daniels mit auf die Bühne gebracht, und die Hoffnung geäußert das Publikum sei bereits „pissed“ also betrunken. Ich habe ihn ein par mal sehen dürfen, 3mal auf dem Rockabilly Meeting in München, einmal in London´s Tennessee R&R Club, und einmal am Wildest Cats in Town 2008.
Ich weiß nicht ob man mir das abnehmen mag, aber es stimmt – das war mit Abstand die beste Show die ich von ihm sah, dieses Jahr. Also lasst Euch nicht verunsichern von Kommentaren, wie er hält nur noch das Mikro ins Publikum während alt gewordene Teddyboys die dankbar sind fürs Aufwärmen von Erinnerungen den Text mitgröhlen. Denn er hat noch immer eine Bühnenpräsenz die Viele in den Schatten stellt. Die Stimme ist noch da, Movements gibt’s auch noch und Songs wie „Trouble Trouble“, „Are You Still Crazy“, „Teddy Boy Boogie“, „Teddyboy Rock & Roll“ waren wohl bei vielen Lesern einmal Hymnen gewesen. Zudem erklärte er ein neues Album sei in Arbeit. Tolle Show, tolle Mannen.
Um nicht unser Magazin zu sprengen: Ein kurzer Abriss vom Sonntag ...
Die Classic Car Cruise war wohl eine der bewegendsten Momente, als die Rock & Roller die eben wie ihre Autos auch schon in die Jahre gekommen waren vom Pontins Camp bis zum örtlichen Pier fuhren. Den Weg ebneten ihnen traditionelle Rocker auf britischen Maschinen wie Triumph, BSA und Vincent. Natürlich hatte auch die örtliche Polizei für gesperrte Straßen gesorgt. Ich durfte mit Graham mitfahren. Überall aus den Häusern und auf den Staßen winkten uns Leute zu. Im Wagen hörten wir alte Doo-Wop Kracher, und ich war froh das ich Sonnenbrillen trug. Den das trieb einem schon die Pisse in die Augen, um es auf gut Deutsch zu sagen. Am Strand dann Teds die die Autos einwiesen, während The Rhythm Aces eine Teddyboy Band welche wie auch Furious einen Slap Bass benutzt am Strand so richtig abrockte. Just moving. Die Flyin Saucers ließ ich mir in der Princes Hall auch nicht entgehen, schade das Sandy Ford´s Sohn inzwischen in einer Punkband spielt. Schade das Jacko Buddin nicht mehr das Saxophon bearbeitet, und ganz okay das nun Sandy´s Frau den Bass bedient. Man muss auch Sagen – das Sandy seit den 70ern gleich aussieht, gleich fit ist – und wohl irgendwie einen Teddyboy Jungbrunnen entdeckt hat. In der großen Halle durfte ich dann noch Darrell Higham & The Enforcers sehen, exzellent wie immer. Lennerockers & Charlie Gracie & Class Of 58. Eine Band die wohl eher Cabaret Rock & Roll macht. Charlie hatte auch ein paar Probleme mit der Technik, seine Gitarre war noch nicht gestimmt worden, aber als alter Profi behob er diese Ungereimtheiten schnell. Er war Fabulous von seiner Begleitband kann man das aber nicht sagen. Nicht das sie schlechte Musiker sind, aber ich hätte (auch die beiden Kids am Piano und den Drums nicht) eine andere Band lieber an dieser Stelle gesehen.
Also Leute – ich traf auf nur 4 deutsche Fans beim Wildest Cats in Town 2008 – wie siehts 2009 aus?
Otto Fuchs.
Die Geschichte der Teds










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