Where The Teds Go

THE WILDEST CATS IN TOWN 2008

von Otto Fuchs



Vom 4. - 7. Juli 2008 lud Ritchie Gee, welcher für Jahre den legendären Tennessee Rock & Roll Club in London führte, wieder zu einem

ultimativen Rock & Roll Wochenende "run by Teds for Teds, Rockers, Teddygirls, Rebels and All Wild & Crazy Rock & Roll Fans".


Das Line-Up des Weekenders liest sich wie das Who´s Who der Rockabilly und Rock & Roll Musikgeschichte. Egal ob man sich nun auf die Authentic Stars der 50er Jahre (Mac Curtis, Johnny Powers und Charlie Gracie), des Revivals (Crazy Cavan & The Rhythm Rockers, Matchbox, Flying Saucers) oder auf die Hoffnungsträger dieser Bewegung für die Zukunft beschränkt (allen voran wohl die Liverpooler Band Furious).


Es war für alle etwas dabei - lassen wir diese verrückten Tage noch einmal Revue passieren:


Wer schon am Donnerstag die Drainpipes, den Drape, die Slim Jim oder Bootlace-Tie im würdigen Rahmen tragen wollte - nun der konnte dies eben tun. In der Princes Hall, der kleineren, für manche auch der gemütlicheren Halle des Pontins Seaside Resorts in Loewestoft - gab es eine kleine Welcome Party mit dem passenden Vynil.


Freitag, 4. Juli 08

Nach einem köstlichen Full English Breakfast vom Büffet (ich mag es wirklich, habe es 2 Jahre in den 90ern in London genießen dürfen, defig und vielseitig wie auch die Londoner Szene) mit Pork Sausage, Hash Brown, Baked Beans, Grilled Mushrooms & Tomato, Toast) und Froffee Coffee ging also der Tag los. Um 11.00h öffnete dann die Bar für die Jungs & Mädls die das "Hair of The Dog" hervorgerufen durch heftiges Trinken am Vortag, an der Bar mit einem alkoholhältigen Getränk entgegennahmen. DJ Rockin´ Shades legte sich dann um 12.00h ins Zeug, dann die englische Truppe The Sundowners gegen 14.00h, den 2 Hound Dogs gegen 15.00h und Danny & The Seniors um 17.00h. Man hielt sich einigermaßen an den Zeitplan denn 18.00h gabs ja Dinner von einem wirklich üppigen, großzügigen Buffet, bei dem auch alles Mögliche für den kontinentalen Gaumen bereit stand.


Während nun in der Princes Hall ab 20.00h DJ Ol´ Dell Boy, um 21.30.pm Edwardian Al und ab 22.30 Gast DJs am Programm standen - ging es im Ballroom schon um 19.00h mit DJ Bradford Dude los. Um 20.00h gab es Authentic 50s styled Rockabilly mit dem gewichtigen Porky´s und seiner Band Hot Rockin´. Dann ein kurzes Set von DJ Cockney Rebel, ehe die Kingcats die Bühne betraten. Während im Ballroom sehr viel getanzt wurde im Sinnen von Stroll und Jive, hatten sich die Träger des Edwardian Stils kurz Teds in die Princes Hall zurückgezogen.


Nach DJ Wildcat Pete, einer wahren Legende des Auflegens, wessen Ursprünge man glaube es kaum oder erst recht Deutsch sind ging es im Ballroom weiter. Dann gab es einen ersten Höhepunkt des Weekenders - Mac Curtis war aus den USA eingeflogen worden. Ich hatte99 im Tennessee Rock & Roll Club erlebt, wie er die Menge richtig mitriss. Mit Ian Rhodes (guitar), Mark Kemlo (drums) und Martin Ford (slap bass) hatte er diesmal eine richtig coole Rockabilly Band für das authentische Backing. Doch so recht wollte der Funke nicht auf das Publikum überspringen - "Half Hearted Love" eben. Aber man soll Legenden hoch Leben lassen, solange sie noch unter uns weilen. Nach Mac Curtis gab es DJ Steve´s Stack Of Wax, und um Mitternacht betraten die "Midnite Dynamos" Matchbox in ihrer Hit-Formation die Bühne. Wir (Midnight Dynamos Rock & Roll Club Vienna) durften die Jungs dieses Jahr schon einmal nach Wien holen, was kann man sagen. Rockabilly-Stars ohne Allüren und wahre Profis. Dies gilt auch für den Eindruck den ich beim Wildest Cats in Town von ihnen gewann - neben den Hits "Rockabilly Rebel", "Midnight Dynamos", "When You Ask About Love", "Everybody Needs A Little Love" gab es auch ein Tribute von Graham Fenton an sein Idol Gene Vincent in schwarzem Leder. Genauso wie 1979 beim Caisters Rock & Roll Weekender, unsterblich gemacht durch den Musik-Streifen "Blue Suede Shoes". Die Stimmung die Matchbox im Saal hinterließ, konnte von keiner der folgenden Bands (2 Hound Dogs und Skyrockers) übertroffen werden. Wenn Ihr Gelegenheit habt Graham Fenton (vocals), Steve Bloomfield (vocals & lead guitar), Gordon Scott (vocals & rhythm guitar), Fred Poke (bass & vocals) und Jimmy Redhead (drums & vocals) live zu sehen – nicht verabsäumen.


Am Samstag gab es ebenfalls dichtes Programm, da ich am traditionellen March Of The Teds zum Tramway Pub teilnahm, konnte ich nicht alles miterleben. Erwähnt sei aber Mad Ralph´s Jumble Sale im Ballroom welcher von 9.30 bis 13.00h stattfand, die Talentshow bei welcher man sich wenn man mutig oder talentiert bzw. beides war vom Rat Pack in der Princess Hall begleiten lassen durfte. Für mich war jedenfalls der Samstag Höhepunkt als an die gut 80 Teddyboys und Teddygirls in voller „Gear“ zum Tramway Pub marschierten. Natürlich machte das einen bleibenden Eindruck auf die Landbevölkerung, besonders als wir die Straße für ein Erinnerungsfoto vor dem Tramway blockierten. Im Pub und dem anliegenden Gastgarten wurde ausgiebeig gefeiert, während DJ Tartan Ted für den nötigen Sound sorgte. British Rock & Roll aus den 50ern und frühen 60ern, und ein paar altbekannte Haudegen wie Bill Haley zum drüberstreuen. Bevor man eine seiner Decca Singles auflegte – wurde er von Tartan Ted übers Mikro sogar als „King Of Rock & Roll“ bezeichnet. Tja für manche Dinge muss man eben nach England fahren.


Um 20.00h war ich wieder zurück. Crazy Jay & The Partytimers, mit einer Power Frau (eben Crazy Jay) am Mikro heizten sie so richtig in der Princess Hall ein. Was Crazy Jay und den Partytimers optisch fehlte, wurde dann von Furious optimiert. Die drei Jungs aus Liverpool, nein, der Stadt Billy Fury´s sind wohl die Hoffnungsträger des Teddy Boy Movements.



Man muß sie einfach gesehen haben. Sie lassen sich nicht einfach in eine Schublade einordnen. Ja sie sind Teds, aber sie kopieren weder den Crazy Rhythm von Cavan, noch den British Rockabilly Sound der 50er und 60er Jahre. Sie sind wohl das was Cavan in den 70ern war, zeitgemäße Bewahrer einer langen Tradition. Checkt einfach mal ihre Website auf www.rockfurious.com oder noch besser besucht einen ihrer Gigs.


Am Samstag standen neben Furious in der kleinen Princes Hall auch Kimmy Kirkland mit Chris Casello am Programm, hat der eifrige Schreiber leider dieser Zeilen nicht gesehen. Noch Augenzeugen getroffen, im Ballroom gab es The Rhythm Aces (bekannt als The New Edwardians), The Rhythm Boys, noch einmal Chris Casello, Johnny Powers (er rockt noch immer), Crazy Cavan und das Rat Pack.


Auch Crazy Cavan & The Rhythm Rockers sind mir noch ein paar Zeilen wert.


Cavan hatte natürlich Guiness & Jack Daniels mit auf die Bühne gebracht, und die Hoffnung geäußert das Publikum sei bereits „pissed“ also betrunken. Ich habe ihn ein par mal sehen dürfen, 3mal auf dem Rockabilly Meeting in München, einmal in London´s Tennessee R&R Club, und einmal am Wildest Cats in Town 2008.


Ich weiß nicht ob man mir das abnehmen mag, aber es stimmt – das war mit Abstand die beste Show die ich von ihm sah, dieses Jahr. Also lasst Euch nicht verunsichern von Kommentaren, wie er hält nur noch das Mikro ins Publikum während alt gewordene Teddyboys die dankbar sind fürs Aufwärmen von Erinnerungen den Text mitgröhlen. Denn er hat noch immer eine Bühnenpräsenz die Viele in den Schatten stellt. Die Stimme ist noch da, Movements gibt’s auch noch und Songs wie „Trouble Trouble“, „Are You Still Crazy“, „Teddy Boy Boogie“, „Teddyboy Rock & Roll“ waren wohl bei vielen Lesern einmal Hymnen gewesen. Zudem erklärte er ein neues Album sei in Arbeit. Tolle Show, tolle Mannen.


Um nicht unser Magazin zu sprengen: Ein kurzer Abriss vom Sonntag ...


Die Classic Car Cruise war wohl eine der bewegendsten Momente, als die Rock & Roller die eben wie ihre Autos auch schon in die Jahre gekommen waren vom Pontins Camp bis zum örtlichen Pier fuhren. Den Weg ebneten ihnen traditionelle Rocker auf britischen Maschinen wie Triumph, BSA und Vincent. Natürlich hatte auch die örtliche Polizei für gesperrte Straßen gesorgt. Ich durfte mit Graham mitfahren. Überall aus den Häusern und auf den Staßen winkten uns Leute zu. Im Wagen hörten wir alte Doo-Wop Kracher, und ich war froh das ich Sonnenbrillen trug. Den das trieb einem schon die Pisse in die Augen, um es auf gut Deutsch zu sagen. Am Strand dann Teds die die Autos einwiesen, während The Rhythm Aces eine Teddyboy Band welche wie auch Furious einen Slap Bass benutzt am Strand so richtig abrockte. Just moving. Die Flyin Saucers ließ ich mir in der Princes Hall auch nicht entgehen, schade das Sandy Ford´s Sohn inzwischen in einer Punkband spielt. Schade das Jacko Buddin nicht mehr das Saxophon bearbeitet, und ganz okay das nun Sandy´s Frau den Bass bedient. Man muss auch Sagen – das Sandy seit den 70ern gleich aussieht, gleich fit ist – und wohl irgendwie einen Teddyboy Jungbrunnen entdeckt hat. In der großen Halle durfte ich dann noch Darrell Higham & The Enforcers sehen, exzellent wie immer. Lennerockers & Charlie Gracie & Class Of 58. Eine Band die wohl eher Cabaret Rock & Roll macht. Charlie hatte auch ein paar Probleme mit der Technik, seine Gitarre war noch nicht gestimmt worden, aber als alter Profi behob er diese Ungereimtheiten schnell. Er war Fabulous von seiner Begleitband kann man das aber nicht sagen. Nicht das sie schlechte Musiker sind, aber ich hätte (auch die beiden Kids am Piano und den Drums nicht) eine andere Band lieber an dieser Stelle gesehen.


Also Leute – ich traf auf nur 4 deutsche Fans beim Wildest Cats in Town 2008 – wie siehts 2009 aus?


Otto Fuchs.

Die Geschichte der Teds


 


History of the Teddy Boys
von Otto Fuchs
 
 
Die Teddy Boy Subkultur hat ihre Heimat in England (wo sie in London in den frühen 50er Jahren entstand und sich wie ein Buschfeuer über die ganze Insel ausbreitete). Die Kleidung setzte sich aus langen Sakkos (Drapes), Röhrenhosen (Drainpipes), Schuhen mit hoher Kreppsohle (welche sich auch "Brothel Creepers" schimpfen lassen mußten), äußerst schmalen Krawatten (Slim Jim Ties) und einem Gillet (Waistcoat zusammen). Abgerundet wurde das ganze von einem ´DA´ (Tolle mit Entenschwanz).
Natürlich hatte auch Amerika zwei wichtige Faktoren zum Teddyboy beizusteuern modisch wie auch künstlerisch. Widmen wir uns einmal den Ursprüngen der Ted-Mode:
 
Zoot Suit Riot
 
Der Zoot-Suit ein Vorläufer des Drapes trat Ende der 30er Jahre in den USA in Erscheinung. Es war die Kleidung der Hepcats, der chronisch Jitterbug Verrückten. Zu Beginn wurde er von Leuten mit zweifelhaften Ruf getragen. Dies trug zu seinem schlechten Image bei. Dann begann die hispanische Arbeiterklasse der an der Westküste gelegenen Städten San Diego und Los Angeles ihn zu tragen - die "Pachucos". Die Jungs (und manchmal auch Mädls) trugen einen Zoot Suit und einen Ducktail ("Argentine style") Haarschnitt um sich von der heimischen Bevölkerung zu unterscheiden. Für einige Zeit wurde der Zooter sogar verboten, der Grund dafür waren die "Zoot Suit Riots" 1943 in Los Angeles. Bei diesen hatten Seeleute aus Gründen der Diskriminerung eine gewalttätige Auseinandersetzung mit der mexikanischen Minderheit. Die Mode der beteiligten bestand aus den Zoot Suits, weiten Mänteln und langen, mit Pomade gefetteten Haare.
 
Spivs
 
Im Gegensatz zu Amerika hat sich der Zoot Suit in England nie für die breite Masse durchgesetzt. Eine kleine Gruppe junger Männer der Arbeiterklasse nahm sich ihm an. Genannt wurde er jedoch "Spiv", dies leitet sich nicht vom Stil ab sondern von der Arbeit einiger junger Herren. Sie handelten mit rationierten und eingeschränkt vorhandenen Gütern. Der Spiv war eine Art kleiner Hehler, ein Vordermann der Unterwelt. Durch das Tragen des Zoot Suit´s zeigt der Spiv seine Okkupation. In den USA hingegen war der Zoot Suit den schwarzen wie auch den weißen Jugendlichen vorbehalten. Die Geburt der Teenager hatte mit dem Zoot Suit und Jitterbug eingesetzt.
1948 erschien dann auch im britischen Branchenblatt "Tailor & Cutter" ein Leitfaden "Wie mann ein amerikanisches weitschultriges Jacket näht". Im Sommer 1948 war der "Bold Look" ein fortlaufendes Feature des Magazins.
Im August 1948 tauchte der Edwardian Stil im West End auf. Zunächst war er der schwarzen Bevölkerung vorbehalten. Man sah ihn zum ersten Mal auf London´s Straßen als die erste schwarze Immigrationswelle Groß Britanniens einsetzte. 500 Jamikaner kamen mit dem ehemaligen Schlachtschiff "Empire Windrush" in Tilbury an. Der Tailor & Cutter schickte einige Presseleute los, welche festhielten was der "gutgekleidetee jamaikanische Mann dieser Tage trägt": Zoot Suits. Es erschien dann auch eine Fotoserie im selben Magazin, welches Zoot Suiters aus Jamaica auf den Straßen London´s begleitete.
Im August 1951 berichtete das Journal der "Custom Tailors and Designers Association Of America" das der "Edwardian Look" bei dem gut gekleideten Amerikaner Einzug hielt. Schließlich wandten sich auch Fabriken dem Schneidern vom Edwardian Dress zu. In Manchester wurden männliche Models auf den Laufsteig geschickt welche von Elem Clothes Ltd. und von London´s Strand Herrenausstatter "Sir" gesponsert wurde. Für die Bekleidungs-Industrie schien der neue Trend ein Segen zu sein.
Cosh Boys
 
1952 tauchten jedoch die ersten Zeitungsberichte über die Cosh-Boys auf.
Sie schienen wenn man den Zeitungsberichten glauben schenken darf in jeder dunklen Gasse herumzulungern. Der Auslöser für die Medienhysterie war die Mordanklage Craig-Bentley. Bei einem Einbruch in ein Lagerhaus in Croydon (London) kam es zu einem Schusswechsel zwischen Polizei und Einbrecher. Policeman Miles wurde getötet als er von einer Kugel des erst 16jährigen Christopher Craig, welcher in Begleitung vom 19jährigen subnormalen Derek Bentley zum Einbruchsort kam, getroffen wurde. Beide trugen weite Hüte, lange Mäntel, Drapes und Creepers. Craig hatte sich auch eines amerikanischen "Tough-Guy´s"-Akzent bemächtigt, verfiel unter Anspannung immer wieder in den selben Akzent den Bentley sprach - South London. Craig´s "Gangster-Fantasie" ging sogar soweit das er seit seinem 12. Lebensjahr einen Revolver trug. Die Daily Mail vom 3. November 1952 titelte jedenfalls "Chicago Schussgefecht in London".
Die Mode der Beiden war jedenfalls weitverbreitet unter der Jugend der frühen 50er Jahre in Groß Britannien.
 
Edwardians
 
Der Edwardian trat ohne jegleiche Vorwarnung in Erscheinung. Seine Wurzeln lagen im Upper Class Edwardian Dandy und der älteren, straffälligen Subkultur Süd London´s. Seine Kleidung wurde zunächst von der Mittel- und Oberklasse getragen - wenn auch nur für kurze Zeit. Der Stil hielt sich über die ganzen 50er Jahre hinweg, aber seine Bedeutung änderte sich im Laufe der Jahre dramtatisch. Als die langen Sakkos (eben Drapes) und engen Hosen (Drainpipes) von der sozial höher gestellten Klasse getragen wurde, galten sie als zufriedenstellende Innovation. Als sich 1952 die ersten Arbeiter des Edwardian-Stils annahmen änderte sich das schlagartig. Man urteitle sie als Spivs ab, und schon bald traten Drapes & Drainpipes ihren Rückzug aus den edlen Gegenden London´s wie Mayfair an. Zuerst die Kleidung der Geschäftsleute wurde es nun die Uniform der "Dancehall Creepers" ...
"Die Cosh Boys haben alle Hoffnungen für Männermode welche anders ist zunichte gemacht" urteilte der Daily Sketch am 9. Dezember 1953.
Für Jahre hatten junge Männer als nicht experimentierfreudig genug in Sachen Mode gegolten. John Taylor der Editor von "Style Weekly" sagte darüber: "Sie versuchten sich wie ihre Väter anzuziehen, sie trugen Tweed-Jacken und rauchten Pfeife. Es war das Lämmchen welches sich als Hammel ausgeben wollte. Selbst wenn sie anders hätten sein wollen, alles was sie sich leisten konnten war eine 6Penny Krawatte bei Woolworth´s."
Dies blieb auch für eine Weile nach dem Krieg so, aber in den frühen 50ern kam die Zeit zu experimentieren. Zum erstenmal machten Teeanger ordentliches Geld - bis zu 20 Pfund die Woche, und sie suchten Dinge für die sie ihr Geld ausgeben konnten. Am Anfang war das nicht leicht, es gab keinen wirklichen Markt für junge Leute - es gab keine Geschäftsleute die sich Gedanken machten wie man Teenager zufrieden stellen konnte. Mitte der 50er Jahre hatte sich das geändert.
Aber 1952 sah das noch anders aus ...
 
Teddyboys
 
King Edward VII war der Namensgeber für den Edwardian Stil gewesen. In seine Regierungszeit (1901-1910) fiel der Edwardian Stil, welche etwas abgewandelt in den 50er Jahren wieder getragen wurde. Die Kurzform für Edward war Ted und so wurde die jugendliche Arbeiterklasse bald als Teddy Boys bekannt. Die erste Zeitung die für die erste britische Subkultur einen Namen fand war der Daily Express, welcher am 23. September 1953 zum ersten mal den Terminus Teddy Boy aufgriff.
"Wenn man Englische Teenager bedenkt so waren die Teddyboys der Start für alles: Rock & Roll und Coffee-Bars, Kleidung und Motorräder, Sprache, Jukeboxes, Kaffee mit Schaum - das ganze Konzept eines eigenen Teen-Lebens, weitab der Erwachsenenwelt" schreibt der Kult-Autor Nik Cohn über die Teds.
"Aber 1952 als die ersten Teds auftauchten existierten sie in einem Vakum, sie fuhren Motorräder, gingen ins Kino, hingen in Arkaden herum. Meistens jedoch standen sie an Straßenecken und beobachten." schließt Cohn.
Die ersten Teds tauchten im East End (Elephant & Castle) auf, auch in Nord London (Tottenham & Highbury), dann ging es weiter südlich nach Streatham und Battersea und Purley, weiter westlich nach Shepherd´s Bush und Fulham, dann schlossen sich die Küstenstädte Brighton, Bournemouth, Cornwall an - 1956 hatten die Teddyboys ganz Groß Britannien erfaßt. Die Drapes (meist maßgeschneidert), Drainpipes, Gillets, Creepers, Slim Jim-Krawatten und Hemden waren nicht billig. 50 Pfund mußte man damals für den vollen Look schon investieren. Aber die Ted´s scherten sich nicht um Morale, Politik, Philosophie oder Ähnlichem - das wichtigste war der Stil, und den verfolgte man fanatisch.
 
Teddy Girls
 
Der Photograph Don McCullin erinnert sich: "Das Tottenham Royal war das größte Centre in Nord London, vom Moment in dem man reinging, hängten die Mädls schon ein Preisschild auf einen. Dein Drape, deine Schuhe, sogar an deine Krawattennadel - bevor du es noch richitg gecheckt hattest, hatten sie dich bis auf deine Socken preislich durch." Sie selbst trugen wie heute von vielen angenommen wurde, jedoch keine Petticoats und Ponytails. Nein vielmehr hatten sie eine Tolle, einen DA, trugen Drainpipes und feminin geschneiderte Drapes. Sie betonten ihre Make Up, und waren in London kaum ohne Regenschirm anzutreffen. (Siehe Photos)
 
Rock Around The Clock
 
"Die meiste Zeit waren wir im Vergnüngunspark der Seven Sisters Road, und spielten Flipper um Zigarretten. Gleich gegenüber war Greys Dance Hall, wo der Polizist erstochen wurde. Bert Assirati, der Wrestler, war Türsteher. Wenn er einem mit einer Fahrradkette oder einem Messer erwischte warf er einen auf die Straße. Aber Raufereien gab es trotzdem, auch Messer und Stichwunden - dort ging´s rund." fuhr McCullin fort. Natürlich war das kein Zustand von Dauer und als 1955 Bill Haley´s "Rock Around The Clock" veröffentlicht wurde, ihm Elvis Presley, Chuck Berry, Buddy Holly und Jerry Lee Lewis als neue Heroen der Teds gefolgt waren, schien das oberflächlich einmal die beste Zeit für die Teds zu sein.
Sie rebellierten bei Bill Haley Filmen wie "Rock Around The Clock" und "Don´t Knock The Rock" (Ausser Rand und Band Teil 1 & 2) in dem sie das Gestühl der Kinos ausrissen, um besser tanzen zu können. Von einem Kult der Minderheit hatten sich die Teddy Boys in einen Massenkreuzzug gewandelt. In all dem Trubel muß es so ausgesehen haben, als würden die Teenager Groß Britannien völlig übernehmen. Diese Idylle ging zu Ende - wie bei allen Subkulturen die folgen sollten. Zuerst wurden sie eingezogen, es wurde ihnen von der Armee verboten den Edwardian Stil selbst in ihrer Freizeit weiterhin zu tragen. Passierscheine wurden nur ausgegeben wenn man weder Drape, noch Drainpipes, noch Creepers trug.
Natürlich fanden sich Wege dies zu umgehen und oft wurde die Kleidung aus den Kasernen geschmuggelt. Doch die neu Konvertierten machten dem Kult ein Ende, sie zogen es nicht mehr völlig durch. Eine Blue Jean und Tolle genügte ihnen. Zur selben Zeit verschwanden auch die Creepers aus der Garderobe, sie wurden von schwarzen italienischen Schuhen ersetzt. Winkle Pickers. Dann verschwand der Drape - ihm wurde ein kurzes italienisch gestyltes Sakko vorgezogen. Es blieben nur mehr die Original Teds über, die waren inzwischen (1958) um die 20, heirateten und gingens ruhiger an. Manche zogen Lederjacken fürs Motorradfahren vor - sie wurden die Ton Up Boys oder ersten Rocker. Es gab aber auch die, welche dem Rock & Roll und dem Teddyboy Lifestyle ewige Treue schworen. Wie Mitglieder der North Finchley Rock & Roll Preservation Society in den späten 60er und frühen 70er Jahren.
Man traf sich in Hinterzimmern, zog Drapes und Drainpipes an, kämmte das was vom Haar noch da war zur Tolle, trug Koteletten, sprach von Eddie Cochran, James Dean und Mamie Van Doren. Nur 15 Jahre später. Doch schienen Vince Taylor und Sabrina weit weg zu sein.
 
Rock & Roll Revival
 
1968 erklomm "Rock Around The Clock" von Bill Haley & His Comets erneut die internationalen Hitparaden, natürlich auch die Groß Britanniens. So spielten dann eine große Anzahl neuer Bands für eine neue Generation von Ted´s: The Wild Angels (UK), The Houseshakers (UK), The Rock & Roll Gang (FR), Shakin´ Stevens & The Sunsets (UK) ... Diese Rückkehr zum ursprünglichen Rock & Roll nannte man "Rock & Roll Revival".
In den 70ern kümmerte sich die neue Generation von Teddy Boys um eine eigene Identität: Haarlack ersetzte Pomatde, die Drapes waren heller, und die Drainpipes noch enger. Diese neuen Teddy Boys (heute oft verächtlich Plastic Teds genannt, weil sie sich nicht am Original Edwardian Stil der 50er Jahre hielten) endtdeckten auch die Wurzeln des Rock & Roll. Rockabilly. Bill Haley (auf Holiday & Essex Records) und Elvis Presley (auf Sun) hatten ihre Karrieren mit Rockabilly begonnen. Künstler wie Carl Perkins, Johnny & Dorsey Burnette, Charlie Feathers, Hank Mizell (sein Chart Entry "Jungle Rock" gilt als Geburtsschrei der neuen Generation von Ted´s), Warren Smith, Billy Lee Riley, Charlie Rich, Hayden Thompson, Janis Martin, Wanda Jackson, Carl Mann uva. wurden schlagartig zu neuen Stars in England gekürt. Der Kontinent folgte dem Beispiel. Zur selben Zeit sorgte Ronny Weiser´s "Rollin´ Rock" Label aus den USA mit Künstlern wie Ray Campi, Johnny Carroll, Jackie Lee Cochran für Furore.
 
Rockabilly Rebs vs. Teddy Boys
 
Als Matchbox 1978 mit ihrem neuen Leadsänger Graham Fenton (der bis dato am bekanntesten für seine Mitwirkung in der 1972 in Wembley stattfefundenen "The London Rock & Roll Show" als Frontmann der Teddy Boy Band "Houseshakers" war) in den Hitlisten mit "Rockabilly Rebel" notiert wurden, gründete sich eine neue Subkultur die Rockabilly Rebels oder Rebs. Einige von ihnen waren Anhänger der ultra rechten britschen Partei "National Front" und wollten mit ihren Südstaatenflaggen nicht nur auf die Ursprünge der Musik aufmerksam machten, sondern traten allen Ernstes für die Rassen-Segregation ein. Natürlich hatten Künstler wie Ray Campi oder Matchbox mit dem nichts im Sinn, und Graham Fenton konnte oder wollte sich in einem Interview welches ich mit ihm führen durfte nicht einmal an eine Verbindung der Rockabilly Rebels zur National Front erinnern. Jedenfalls lehnten viele Rockabilly Rebels den schwarzen Ursprung des Rockabilly im Gegensatz zu den Teddy Boys ab. Da gab es dann beim Auflegen in den Clubs Differenzen und Schlägereien zwischen Teds und Rebs. Dies ging sogar soweit, das einige Clubs schließen mußten.
Das Interresse an Rockabilly sorgte nun auch für eine internatinale Ausbreitung der Teddy Boy - Bewegung. Neue Bands wie Crazy Cavan & The Rhythm Rockers, Flying Saucers, Riot Rockers exportierten ihren eigenen Stil von Rockabilly europaweit. Der "British Rockabilly" bzw. "Teddy Boy Rock & Roll" entstand. Er hatte meist etwas mehr Melodie als seine Wurzel der "Authentic/Roots Rockabilly" und konnte auch mit elektrischem Bass gespielt werden. Obwohl er heute von vielen Puristen abgelehnt wird, welche den Slap Bass bevorzugen ist seine Wirkung für die Wiederbelebung der Rockabilly/Rock & Roll - Szene Ende der 70er Anfang der 80er Jahre unbestritten.
 
Punks vs. Teds
 
Noch legendärer als die Zwistigkeiten der Teddyboys und Rockabilly Rebels waren die Straßenschlachten welche sich die Teddy Boys mit den Punks lieferten. Vor allem die Gegend um Chelsea in London war betroffen. Teds kamen von nah und fern um sich Gefechte mit den Punks zu liefern. Der Auslöser war wohl das Vorrecht wer was tragen durfte. Heute findet man zum Beispiel Creeprs von einer Firma namens Anarchy in den Auslagen. Damals nahmen sich die Teds das Vorrecht für Creepers und Lederjacken. Verewigt wurde dieser "Bandenkrieg" in mehreren Songs, die damalige Sichtweise der Teds kommt jedenfalls am Besten in Don E. Sibley´s "Punk Bashing Bogie" zum Ausdruck. Als sich das Teddy Boy Movement in den frühen 80ern verkleinerte, waren es plötzlich die Teds welche von den Punks etwas aufs Maul bekamen. Sie waren ihnen von der Anzahl her nun unterlegen.
 
Die 80er Jahre waren eine magere Zeit für Subkulturen, dank des Thatcher Regimes. Löhne wurden niedrig gehalten, Arbeitslosigkeit herrschte in der Working Class. Auch wurden nicht mehr soviele Bands gebucht, die welche noch Auftritte haben wollten mußten ihren Act verbessern und so entstand der beste Rockabilly den das Revival je gesehen hatte. Bands wie The Stray Cats, The Jets, The Polecats waren in den Hitparaden zu finden.
 
In den 90ern verflüchtigte sich das Konkurrenzdenken in der Rockabilly/Rock & Roll Szene und Teds und Rockabillies begruben das Kriegsbeil. Auch verschwanden die Konturen etwas. Jemand der einen Drape trug konnte am nächsten Tag oder beim nächsten Konzert auch in Lederjacke und Jeans angetroffen werden.
In England finden nach wie vor Teddyboy Weekends wie der "Wildest Cat In Town Weekender" von Ritchie Gee statt, auch kann man sich nach wie vor einen Drape von Ted´s Corner, Unicorn Fashion, Clout Of London oder Jack Geach schneidern lassen.
Auch hat sich kürzlich die Federation Of Teddyboys organisiert, ein Club für Träger des Edwardian Stil.
Man kann neben den älteren Teds der 70er und 50er Jahre auch Teenager in Drape Jacken antreffen, ein Zeichen dafür das Teds auch in den nächsten Jahren weiterhin ihren Bestandteil und verdienten Platz in der Welt des Rock & Roll haben werden.


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